Foto des Monats (Frankreich 25.04.2020)

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Es wird eines der Bilder sein, die später in den Geschichtsbüchern abgedruckt werden. Weil es den Moment zeigt, an dem aus Protesten eine Revolution wird.

In Frankreich scheint es eine heftige Debatte über dieses Bild zu geben und in den Medien ist versucht worden, den Mann, der hier auf Knien zu sehen ist, als betrunkenen Irren darzustellen (dem von Anwesenden auf dieser Demonstration widersprochen wird). Allein diese Tatsache, dass das Bild solche Debatten auslöst, zeigt, dass die Herrschenden sehr wohl erkennen, was da zu sehen ist.

Nur für jene, denen es nicht klar ist – auf diese Entfernung wäre ein Gummigeschoss mit hoher Wahrscheinlichkeit tödlich. Es würde die Rippen brechen und in die Lunge, wenn nicht gar das Herz bohren.

Und dennoch ist die ganze zur Schau gestellte Macht nutzlos. Das Gegenüber senkt den Blick nicht mehr.

Inzwischen liegt die Zahl der Selbstmorde bei Polizisten in Frankreich in diesem Jahr bereits bei 28. Die Organisationen der Polizisten beklagen, sie würden unter zunehmender sozialer Ausgrenzung leiden. Auf den Demonstrationen äußerst sich das in der Parole “ganz Frankreich verachtet die Polizei”, aber wenn das zur täglichen Erfahrung im Alltagsleben wird, ist der Druck bereits enorm. Dass er zu Selbstmorden führt, ist ein Zeichen dafür, dass diese Kräfte kurz davor stehen, zu brechen. Brechen heißt, dass sie sich mindestens zurückziehen, wenn nicht gar die Seite wechseln.

DAS wiederum ist das Kennzeichen einer revolutionären Situation, die reif ist. In der der abrupte Zusammenbruch der bestehenden Macht bevorsteht.

Wie lang der Zeitraum ist, bis dies geschieht, ist momentan für keinen Beteiligten absehbar. Gestern habe ich in einem (äußerst empfehlenswerten) Buch gelesen, “Fragen Sie mehr über Brecht”, Gespräche mit Hanns Eisler. Ganz am Ende des Buches redet Eisler über das Ende des 1.Weltkriegs, wie er es erlebt hat. Er war als junger Sozialist sicherheitshalber in eine Einheit ungarischer Bauern gesteckt worden, mit denen er nicht reden konnte, wurde schwer verwundet und kam unmittelbar vor Kriegsende zurück. Von einem anderen Soldaten gefragt, wie lange das wohl noch weiterginge, antwortete er, der Krieg könne noch einmal so lange dauern… einen Tag später war er zu Ende, und mit ihm die Habsburger Monarchie.

Wir sollten uns hier in Deutschland allmählich ernste Gedanken darüber machen, was es für uns hier bedeutet, wenn sich die Verhältnisse in Frankreich in Bewegung setzen. Denn dann, wenn das passiert (ob in Tagen, Wochen oder Monaten), ist zum Nachdenken keine Zeit mehr.

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